Cynthia Rothrock

Die Frau
in der Kämpferin
Cynthia Rothrock

Es ist „in“ für Frauen, mit weiblichen Attributen aufzuwarten. Was lange als sexistisch oder konsumbedacht galt, steht heute stellvertretend für die neue Kraft der Frauen. Vor allem die Vertreterinnen des schwachen Geschlechts oberhalb der 30 oder 40 Jahre zeigen heute gerne, was sie haben – wenn sie was haben.
Eine Dame, die sich wahrlich nicht verstecken braucht, ist die erfolgreichste Kampfkünstlerin und bekannteste Action-Actrice: Cynthia Rothrock aus Los Angeles. Wirbelte sie in den letzten 12 Jahren als schlagkräftige, ständig umsich tretende Amazone durch Filme wie „China O‘Brian“, „Rage and Honor“ und „Lady Dragon“, setzt sie neuerding auf andere Attribute: sie zeigt, daß sie eine attraktive Frau ist. Aber keine Angst, Cynthia haut zwischendurch immer noch kräftig zu, wie sie erst unjüngst in „Sworn to Justice“ beweist, der am 26. April erstmals in kalifornischen San-dance Theater der Öffentlichkeit vorgeführt wurde. Cynthia teilt noch genau so hart aus wie man es von ihr kennt, nur mit einem Unterschied: jetzt hat sie Stil!
Früher kämpfte die ehemalige Formenmeisterin in Straßenkleidung oder Polizeiuniform gegen Gangster und Raufbolde, die sie reihenweise in die Flucht schlug. Heute achtet sie bei den Drehbüchern darauf, welche Figuren sie darstellt. Es ist nicht nur die Action, die für Cynthia und das Publikum zählt, sondern auch die Person, die sie darstellt. So spielt sie in „Sworn to Justice“ eine typische amerikanische Karrierefrau. Gut gekleidet und mit viel Gefühl sowie starken Emotionen meistert sie die hohen schauspielerischen Anforderungen in derselben Manier wie die kämpferische Konfliktlösung.

Aerobic

Wie kam es zur Image-wende von Cynthia? Es war nicht von langer Hand geplant, wie viele Auftritte der Hollywoodgrößen im voraus berechnet werden. Es war noch nicht einmal Cynthias Idee, diese Änderung zu vollziehen. Selbst ihr Agent oder eine Marketingagentur haben sie nicht in diese Richtung beraten. Paul Maslak und Neva Friedenn, die Produzenten ihres neuen Filmes, hatten die glorreiche Idee. In das Skript von „Sworn to Justice“ ließen sie für Cynthia das Image der Karrierefrau entstehen. Sie setzten Cynthias Figur und Leidenschaft in Liebes- und Bettszenen ein, wodurch das Bild angenehm abgerundet wird. In erster Linie war es jedoch nicht das Bestreben von Friedenn und Maslak das Image von Cynthia Rothrock zu ändern. Anfangs wollten sie nur einen Kampfsportfilm drehen, der nicht gleich in die Schublade des Knochenbrecherfilms fällt. Es war Maslak, der statt normaler Kampfszenen erstmals eine Kata in den Film einbaute. Mit der Mischung Liebe und Kata wollte er seine Produktion deutlich vom typischen Keilerei-Image abheben. Seine guten Kontakte zu Produzenten in Hong Kong und der gute Draht zu Jackie Chan veranlaßten Maslak obendrein dazu, die Actionszenen nach fernöstlichem Muster zu stricken: sehr akrobatisch und mit einer Prise Komödie.




Natürlich ist der Streifen in erster Linie ein kampfsportbetonter Actionfilm. Wer etwas anderes erwartet oder erhofft hatte, liegt schief. Cynthia bleibt ihren alten Fans treu. Sie verändert lediglich ihr Image. Weg von dem rauflustigen, kleinen Mädchen von nebenan zu einer reifen Frau, die in ihrem Leben etwas erreichen will.
Cynthias erste Liebes- und Bettszenen sind eine vieldiskutierte Sache in Kampfsportkreisen, doch warum soll Cynthia nicht das machen, was Jean-Claude van Damme und Don Wilson schon lange tun. Van Dammes großer Erfolg hängt zum Teil von seinem sexy Image ab, das durch seine Rollen unterstrichen wird. Es gibt kaum einen Film mit dem Muskelmann ohne Sex und Liebe. Selbst Hollywood-Neuling Don Wilson ist in seinen Filmen in romantischen Szenen zu sehen.

Spagath

Ob ihr das alle leicht gefallen ist, diese Szenen zu drehen, wollen wir wissen, und Cynthia gibt ehrlich zu, „ich war sehr aufgeregt, weil ich so etwas nie zuvor gemacht hatte, dennoch war es sehr angenehm … wenn sie geschmackvoll sind, werde ich wieder Liebesszenen drehen.“ Für Cynthia gehören Nacktszenen nicht unbedingt zu einem Film, so daß sie bislang alle Einstellungen, die so etwas von ihr verlangt haben, abgelehnt hat. Sich einfach nackt duschend filmen zu lassen, findet sie sinnlos. Es muß zur Handlung gehören, so wie in ihrem aktuellen Film, der im Herbst auch in deutschen Videotheken erhältlich sein soll. Ein genauer Termin liegt noch nicht vor. Damit die besagten Szenen nicht plump wirken, bzw. gut in den Film und zur Hauptdarstellerin passen, nahm sie eigens für diese Herausforderung den Rat der Produzenten an, erneut Schauspielunterricht zu nehmen und sich für die Rolle von einem Lehrer coachen zu lassen. Ivana Caubbuck, die u.a. mit Elisabeth Shue („Leaving Las Vegas“), Sharon Stone („Casino“) und Geena Davis („Thelma und Louise“) arbeitete, für hierfür engagiert. Das ist nichts Ungewöhnliches. Selbst die größten Leinwandstars lassen sich von spezielles Coaches auf ihre Rollen vorbereiten, damit sie genau wissen wie sie spielen sollen. In vielen Fällen sind auch die Drehbuchautoren, Produzenten und Regisseure mit dabei.
Durch die positiven Auswirkungen ihrer zufälligen Erscheinungsänderung kann man die Königin des Actionfilms jetzt auch nackt in amerikanischen Hochglanzmagazinen sehen. Erst vor kurzem zierte sie das Cover von „Femmes Fatal“. Auch Frauenzeitschriften erwärmen sich jetzt anders als zuvor für die Schauspielerin, „Amica“ z.B. porträtierte sie in ihrer April Ausgabe. Mit ihrem alten Image, das die Amis als „Tomboygirl“ bezeichnen, hätte sie auf diese Publicity sicher verzichten müssen. Wir können gespannt auf die neuen Filme von Cynthia warten. Insiderkreisen aus Hollywood war zu entlocken, daß sie demnächst in größeren und anspruchsvolleren Rollen zu sehen sein wird. Klare Sache: wir bleiben am Ball und berichten, wenn es etwas Neues gibt.

Kung Fu Heft

Dritte Ausgabe 1997

 

Der Beitrag erschien in der dritten Kung Fu Ausgabe 1997 als allgemeine Nachricht aus den USA. Cynthia Rothrock war eine sehr erfolgreiche Formenläuferin in den USA und damals die bekannteste Filmschauspielerin mit Kampfsport Background.

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